Aminosäuren

Aktuelle Studien belegen, dass Aminosäuren im Kampf gegen Diabetes, Depressionen, Osteoporose, Herzinfarkt, Fettstoffwechselstörungen, Potenzstörungen und Immunschwäche, aber auch im Bereich des »Anti-Aging« wirksam sind. Bedauerlicherweise spielen sie aber in der Ernährungsmedizin in Deutschland noch nicht die ihnen zukommende Rolle.

Symposium über Aminosäuren in Prag 2005

Dem Internationalen Symposium der Gesellschaft für angewandte Aminosäureforschung in der Therapie und Praxis (GFA), dem 100 Wissenschaftler aus 7 Nationen (Österreich, Schweiz, Finnland, Deutschland, Schweiz, Russland und Tschechien) folgten, fand vom 25. bis 27. Februar 2005 in Prag statt.

Aminosäuren Überblick
Aminosäuren Überlick

Bedauerlicherweise spielen aber Aminosäuren in der Ernährungsmedizin in Deutschland noch nicht die ihnen zukommende Rolle. Obwohl sie Regulator aller Prozesse im menschlichen Körper sind. Dabei betonte Ernährungswissenschaftlerin Doktor Doris Meister aus München das in Prag.

Der Tenor des Symposiums

Die Studienlage zu den Effekten von Aminosäuren ist gut, aber die Anerkennung in der Medizin in Deutschland fehlt noch weitgehend. Aus den besagten Säuren setzen sich die umgangssprachlich als Eiweiss bezeichneten Proteine zusammen. Beispielsweise sind sie notwendig für den Aufbau von Strukturproteinen wie Kollagen, von Enzymen, den Blutgerinnungsfaktoren, den Antikörpern, den Transportmolekülen, der Muskulatur und von Hormonen (beispielsweise Insulin).

Aminosäuren Wirkung

Zudem sind sie für die Entgiftung des Organismus, die Bildung von Neurotransmittern, den Energiestoffwechsel sowie die Synthese von lebenswichtigen Substanzen wie Coenzym A notwendig. Darüber hinaus wirken die Aminosäuren Taurin sowie Methionin als Antioxidant. Zudem bilden Glutamin, Cystein und Glycin Glutathion, das gleichfalls eine ausgeprägte antioxidative Wirkung aufweist.

Übersicht

Insgesamt haben Aminosäuren bei vielen Krankheiten, aber auch Befindlichkeitsstörungen, eine große Bedeutung, stellte Dr. rer. nat. Jürgen Reimann von der GFA dar. Entsprechend lebenswichtig für den Aufbau von Körpersubstanzen sind die unentbehrlichen Aminosäuren Histidin, Isoleucin, Leucin, Valin, Lysin, Methionin, Phenylalanin, Threonin und Tryptophan. Ebenso können daraus im Stoffwechsel die anderen Aminosäuren, wie z.B. gefäßschützendes Arginin oder immunstärkendes Glutamin entstehen.

Fehlernährung

Durch die allgemeine Fehlernährung in Deutschland ist die Aminosäurenzufuhr oftmals unterhalb der internationalen Zufuhr Empfehlungen, stellte Reimann fest. Zur Prophylaxe und Therapie bestimmter Krankheiten sind oftmals bestimmte Aminosäuren im Grammbereich notwendig, so dass die Gabe von Supplementen nötig ist, so der Konsens der Kongressteilnehmer in der Diskussion. Anders formuliert haben Vegetarier sowie Menschen mit chronischen Erkrankungen der Leber und Niere ein hohes Mangel Risiko.

Abwehrschwäche bei Menschen

Aber auch bei Katabolie, toxischen Belastungen und oxidativem Stress kommt es leicht zum Mangel, so Ernährungswissenschaftlerin Doris Meister. Arginin, Cystein, Glutamin, Glycin, Lysin, Methionin und Taurin sind immunmodulierend und helfen Menschen mit Abwehrschwäche. Der international renommierte Aminosäureforscher Professor Dr. Erich Roth von der Universitätsklinik Wien gab einen Überblick über die immunstärkende Wirkung von Glutamin. Auf jeden Fall zeigen Studien, dass die Aminosäuren Lysin und Arginin einen positiven Einfluss auf den Knochenstoffwechsel ausüben.

Zugabe bei Therapien

Zudem betonte Reimann, dass eine optimale Osteoporosetherapie die Gabe von Aminosäuren in jedem Falle einschließt. Es gibt Hinweise, dass sie sogar die Osteoblasten stimulieren können und damit gehen Aminosäuren über die Effekte einer herkömmlichen medikamentösen Osteoporosetherapie hinaus. Dagegen schützen die Aminosäuren Alanin, Cystein, Methionin und Glycin vor Prostataerkrankungen. Insgesamt haben sie ein enormes Potential in Therapie und Prophylaxe von Krankheiten und das ist durch wissenschaftliche Studien bestens belegt, erklärte Dr. rer. nat. Jürgen Reimann abschließend.

Schmerzpatienten

Professor Dr. Enno Freye von der Universitätsklinik Düsseldorf sieht sich durch eigene Untersuchungen darin bestärkt Aminosäuren und Mikronährstoffe in der Fibromyalgie Therapie einzubeziehen. Hierdurch profitieren Chronische Schmerzpatienten von der Einnahme von Aminosäuren, Antioxidantien und Omega 3 Fettsäuren.
Der Düsseldorfer Mediziner konnte in einer Untersuchung verringerte Schmerzwahrnehmung und erhöhte Schmerztoleranz nachweisen, so dass eine Aminosäuren Therapie bei Fibromyalgie nützlich ist.

Aminosäure beim Einsatz im Sport

Dr. med. Martin Landenberger forderte den regelmäßigen Einsatz von verzweigtkettigen Aminosäuren Isoleucin, Leucin und Valin bei chronischen Lebererkrankungen. Für den gezielten Muskelaufbau bei (Hoch) Leistungssportlern sind verzweigtkettige Aminosäuren erforderlich. Sie zeigen positive Effekte bei neurodegenerativen Erkrankungen und regulieren den Serotoninhaushalt.

Krebserkrankungen

Bei Krebserkrankungen stehen Mediziner und Patienten mit dem Rücken zur Wand, konstatiert der Wiener Onkologe Professor Dr. Dr. Köstler. Nach seinen Aussagen steht die Krebstherapie vor dem Kollaps. Professor Köstler kritisiert, dass es praktisch keine Krebsvorsorge gibt. Und zwar weil die Menschen erst handeln, wenn eine Krebserkrankung bereits ausgebrochen sei. Köster hält die Förderung der Abwehrkapazität durch Aminosäuren für Krebspatienten für überlebensnotwendig. Zudem fordert er eine individualisierte Gabe von Aminosäuren und Antioxidantien bei Krebserkrankungen.

Studien Aminosäuren Test

Professor Dr. Jürgen Spona vom Ludwig Boltzmann Institut der Universitätsfrauenklinik Wien sieht in der individuellen Aminosäuregabe, der eine exakte Aminosäurediagnostik vorangehen muss, eine Möglichkeit, die Therapie von Depressionspatienten zu ergänzen und folglich effektiver zu gestalten. Übrigens konnte in einer randomisierten placebokontrollierten Doppelblindstudie der renommierte Wissenschaftler nachweisen, dass die Gabe von Aminosäuren eine deutliche Verbesserung der Depressionen erreichen kann. Da sich mit dem Alterungsprozess des Menschen auch die Verfügbarkeit von Aminosäuren verringert und zudem die Ernährungsweise dergestalt verändert, dass weniger Aminosäuren über die Nahrung aufgenommen werden, empfiehlt Professor Spona Aminosäuren im Rahmen von Anti Aging Strategien. Abschließend bezeichnete Spona Arginin als »Natural Viagra«.

Allergien

Immerhin nehmen Allergien bei Kleinkindern dramatisch zu, erklärte Dr. John G. Ionescu aus Neukirchen. Er kritisierte, dass Kinderärzte momentan nur die Symptome und nicht die Ursachen von Allergien bekämpfen. Mitunter forderte Doktor Ionescu ein, dass in der Kinderheilkunde der Förderung einer gesunden Darmflora zur Allergievorbeugung mehr Bedeutung eingeräumt wird. Kleinkinder aus Allergikerfamilien bedürfen nach seiner Aussage entweder einer Muttermilchernährung oder der Gabe von hypoallergenen Säuglingsmilchnahrungen.

Potential

Dr. med. Udo Böhm aus Unterwössen zeigte in seinem Vortrag auf, dass die Aminosäure Arginin in Kombination mit der Folsäure einen wirksamen Schutz vor Herzkrankheiten darstellt. Das heißt Arginin stellt sicher, dass die Blutgefäße konstant Stickstoffmonoxid produzieren und die Durchblutung des Herzens und des Gehirns optimiert wird. Arginin schützt das Herz vor dem Infarkt. Weiterhin vervielfacht sich dieser Effekt durch die gleichzeitige Einnahme von Arginin und Folsäure, betonte Doktor Böhm in Prag.

Insgesamt haben Aminosäuren ein enormes Potential in Therapie und Prophylaxe von Krankheiten. Auf jeden Fall ist das durch wissenschaftliche Studien bestens belegt, erklärte Dr. Dr. med. Claus Muss, Augsburg, in der Prager Pressekonferenz.

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