Wie groß ist der Vitaminmangel in Deutschland, Frankreich und den USA?
Die Deutschen - Mangel im Überfluss
An
der Nationalen Verzehrstudie in der BRD (Vera) nahmen zwischen 1985 und 1989 23.000
repräsentativ ausgewählte Verbraucher teil. Bei Frauen zwischen 19 und 35 Jahren
besteht danach
— bei 49 % ein Mangel an Vitamin
C
— bei 66 % an Vitamin B12
— bei
99 % an Folsäure und
— bei 76% an Vitamin
B6
Bei Folsäure, Zink, Jod und Kalzium
kommt kaum ein Bundesbürger auf die ohnehin niedrigen Minimalwerte, welche die
Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt. Für Selen wird gar nicht erst ein
Richtwert angesetzt. Er wäre mit der Ernährung in Deutschland durch die selenarmen
Böden ohnehin nicht zu decken. Der deutsche Stoffwechsel und das Immunsystem verhungern
an vollen Töpfen.
Die
Amerikaner - Die Zukunft der deutschen Fast-Food- Generation?
In den USA
nahmen 21.500 Teilnehmer an einer Studie des Landwirtschaftsministeriums teil.
Keiner, ich betone, k e i n e r der 21.500 Teilnehmer erreichte die von der RDA,
dem amerikanischen Pendant der DGE, empfohlenen Minimalwerte für die Vitamine
A, B1, B2, B6 und B12 sowie für Kalzium und Eisen. Wer auch nur einmal am Tag
hochverarbeitete Lebensmittel oder Junkfood isst, hat kaum noch eine Chance die
Minimalzufuhrwerte zu schaffen.
Frankreich
- So gut ernährt sich der Franzose wirklich
In Frankreich gab es drei große
repräsentative Studien: ESVITAF (1986), die Verzehrstudie im Burgund (1986) und
die Studie im Val de Marne (1991). Diese drei Studien zeigen, dass unsere gourmetfreudigen
Nachbarn die empfohlenen Minimalwerte durch die Ernährung nicht erreichen. Dr.
Curtay zeigte, welcher Prozentsatz der Bevölkerung die Vitamin- und Mineralienempfehlungen
nicht erreicht und fasste die drei Studien in einer Tabelle zusammen. Die Zufuhrempfehlungen
stellen den Minimalbedarf für Mikronährstoffe dar. Die großen Verzehrstudien zeigen,
dass selbst dieser untere Wert heute kaum noch erreicht wird. Die Franzosen, genau
wie alle Nordeuropäer, essen 40% der Kalorien als Fett. Im Fett sind aber fast
keine Mikronährstoffe enthalten. So kann man selbst im Schlaraffenland Frankreich
nicht auf die Minimalzufuhr kommen.
Die Zufuhrempfehlungen sind Ihr Minimalbedarf
für Mikronährstoffe. Die großen Verzehrstudien zeigen: selbst dieser untere Wert
wird heute kaum noch erreicht. Wen wundert es dann, dass dieser Mangel zu den
vielfältigen Symptomen eines Mikronährstoffmangels führt, unter dem viele leiden,
ohne dass sie die Ursache erkennen.
Ernährungsexperten
nehmen Mikronährstoffe - Die meisten Experten geben für eine optimale Versorgung,
zumindest bei den Antioxidanzien, 3- bis 5 fach höhere Werte als die DGE an.
Gründe
des Mikronährstoffmangels - Woran liegt es nun eigentlich, dass fünf Studien,
die in drei Ländern mit 80.000 Personen durchgeführt wurden, zeigen, dass mit
der heutigen Ernährung nicht mehr die ausreichende Menge an Mikronährstoffen erreicht
wird? Es gibt fünf Faktoren, die für die Abnahme der Mikronährstoffzufuhr in unserer
Ernährung verantwortlich sind: Wieso deckt eine ausgewogene Ernährung heute nicht
mehr den Minimalbedarf an Mikronährstoffen?
1. Eine veränderte Zusammensetzung
der Ernährung (doppelt so viel Fett, vor allem gesättigtes tierisches Fett, und
zehnmal so viel Einfachzucker/ Glukose wie noch vor 200 Jahren)
2. Ausgelaugte
Böden und der Einsatz von Chemikalien
3. Lagerung von Nahrungsmitteln und
lange Transportwege
4. Verarbeitung der Lebensmittel: Kochen, Schälen, Blanchieren,
Pasteurisieren, Haltbarmachen, Bestrahlen und Ausmahlen
5. Veränderte Essgewohnheiten:
Restaurants, Kantinen, Fertiggerichte
Diese
fünf Faktoren sorgen dafür, dass in 1.000 Kalorien Nahrungsmitteln nur noch ein
Bruchteil der Vitamine, Mineralien und Spurenelemente enthalten ist, die dem Stoffwechsel
und Immunsystem im Laufe der Evolution mit den Nahrungsmitteln zur Verfügung stand.
Mikronährstoffmangel
durch verarmte Nahrungszusammensetzung
Viele Menschen wissen meist nicht
einmal, dass Vitamine und Mineralstoffe vor allem in Obst und Gemüse stecken.
So spielen diese Lebensmittel mit einem hohen Anteil an Mikronährstoffen eine
viel zu geringe Rolle in deren Ernährung.
Es werden zu viele „leere" Kalorien
verzehrt. In Fett oder Zucker sind keine Mikronährstoffe enthalten! Um diese Lebensmittel
überhaupt zu verstoffwechseln, werden aber Vitamine benötigt. So werden die leeren
Kalorien einer zucker- oder fettreichen Ernährung zusätzlich zu „Vitaminräubern".
Statt mit mikronährstoffreichen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Vollkornprodukten
und Nüssen Ihren Stoffwechsel mit Biostoffen zu betanken, belasten Sie den Körper
hauptsächlich mit Fett und Zucker. Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind
die offensichtlichste Folge dieser Ernährung.
Zehnmal
mehr - die zuckersüßen Dickmacher
Der Verzehr von Einfachzucker hat sich
verzehnfacht. Auf diese großen Zuckermengen ist der Stoffwechsel nicht eingestellt.
Denn die große Menge an viel zu schnell verfügbarer Energie aus Einfachzucker
muss der Körper mit Hilfe des Insulins erst einmal in Zwischenlagern - den Fettzellen
- deponieren. Von dort kommt die Energie oft nur noch schwer heraus. Es ist wie
eine Einbahnstraße in Richtung Fettzelle. So wachsen die Ringe um den Bauch jedes
Jahr an und machen inzwischen jeden zweiten Deutschen übergewichtig.
Stärke,
die zum Beispiel in Kartoffeln und Vollkornprodukten enthalten ist, hat im Gegensatz
zu Einfachzucker mehrere miteinander verbundene Energiemoleküle. Man nennt sie
daher komplexe Kohlenhydrate. Diese Energie wird nach und nach für den Körper
zur Verfügung gestellt. Die Ernährung mit komplexen Kohlenhydraten führt dadurch
auch zu einem gleichbleibend hohen Energieniveau. Die Hochs und Tiefs und die
Energielöcher mit Heißhunger auf Zucker entfallen. Leider enthält die heutige
Ernährung immer weniger dieser komplexen Kohlenhydrate.
„Lucy"
- Mikronährstoffzufuhr gestern und heute
Was war im Suppenteller der Steinzeitfrau
Lucy. Der zweifache Nobelpreisträger Linus Pauling hat den Mikronährstoffgehalt
der Ernährung von „Lucy", unserer Vorfahrin vor drei Millionen Jahren, ausgerechnet.
Auf Basis von 2.500 Kalorien hätte „Lucy" eine 3fach höhere Menge an Mikronährstoffen
aufgenommen, als die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt. Für Vitamin
C wurde sogar das 40fache der Zufuhrempfehlung errechnet.
Veränderte
Essgewohnheiten, ausgelaugte Böden, Lagerung, Transport und industrielle Verarbeitung
führen dazu, dass der Mikronährstoffgehalt pro 1.000 Kalorien nur noch einen Bruchteil
dessen beträgt, was für die optimale Funktion des Organismus notwendig wäre. Die
Vielfalt im Angebot täuscht darüber hinweg, dass die meisten Lebensmittel aus
Gründen der Haltbarkeit hochverarbeitet, unreif geerntet und lange gelagert sind.
Es ist unrealistisch anzunehmen, dass die arbeitende Bevölkerung in der modernen
Industriegesellschaft immer vollwertige, direkt vom Feld geerntete, gekühlte und
optimal zubereitete Lebensmittel essen kann. Trotzdem glauben die meisten, sie
erhielten alle Nährstoffe, um hoch leistungsfähig zu sein und Stoffwechsel und
Immunsystem optimal zu versorgen.
Der Mythos von der
abwechslungsreichen Ernährung
Überbordende Supermärkte täuschen einen Überfluss
vor, der sich bei einer genaueren Analyse der Lebensmittel als Luftblase erweist.
Durch den Verlust an Mikronährstoffen in den heutigen Nahrungsmitteln sind auch
mit einer „abwechslungsreichen Ernährung" die Minimalwerte kaum noch zu erreichen.
Dadurch kommt es zu der paradoxen Situation eines „Mangels im Überfluss". Kann
man mit einer abwechslungsreichen Ernährung die Minimalzufuhr aller Mikronährstoffe
sichern?
Die optimale Zufuhr von Mikronährstoffen liegt drei- bis fünfmal
höher als die von der DGE empfohlene Minimalzufuhr. 2.500 Kalorien einer ausgewogenen
Kost mit heutigen Lebensmitteln enthalten nach Analysen aber nur noch 80% des
Minimalbedarfs. Der Rest sollte ergänzt werden.
Eine französische und eine
holländische Studie entlarvten den Mythos der „abwechslungsreichen Ernährung".
Die Hochrechnungen zeigten, dass mit weniger als 2.500 Kalorien nur 80% der empfohlenen,
ohnehin schon niedrigen Richtwerte erreicht werden können. Eine moderne Frau nimmt
aber in der Regel nur 1.850 Kalorien täglich auf. Eine höhere Kalorienaufhahme,
auch mit „abwechslungsreicher Ernährung", ist für Frauen in unserer Zeit aus Gründen
der Figur nicht wünschenswert.
DGE-Zufuhrempfehlungen
- aus der Steinzeit der Vitaminforschung
Sicher
fragen Sie sich längst, warum die Werte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung
(DGE) für den Verbraucher überhaupt so wichtig sind? Der Grund liegt darin,
dass sich verschiedenste Regelungen wie das Arzneimittelgesetz und der Marktzugang
ausländischer Produkte an den DGE-Werten orientieren. Was bedeutet das genau?
Ganz einfach:
— Höher dosierte Vitamine gelten
in Deutschland als Arzneimittel und dürfen nur in Apotheken verkauft werden.
Die 3fache Dosierung der DGE gilt schon als hoch dosiert und die entsprechenden
Produkte als Arzneimittel.
— „Ausländische Arzneimittel"
(höher dosierte ausländische Vitamine, die dort einfach im Supermarkt stehen),
haben keine deutsche Arzneimittelzulassung. Deshalb ist der deutsche Markt
praktisch ohne internationalen Wettbewerb und überteuert. So ist Vitamin
E, durch fehlende ausländische Konkurrenz, 800 % teurer als in den USA. Auch
die Zollbestimmungen - also das für Endverbraucher geltende Importverbot von preiswerten
Vitaminen aus den USA - sind eng an die niedrigen DGE-Werte gekoppelt. Mehr dazu
lesen Sie im Buch auf Seite 123.
— Als Nahrungsergänzungsmittel
dürfen in deutschen Supermärkten nur niedrig dosierte Vitamine verkauft werden."
Tag
für Tag bestimmt also eine Institution darüber, was Sie als Konsument in Deutschland
kaufen können und was Sie dafür bezahlen müssen. Da ist es doch sehr interessant,
sich zu fragen, wie solche Werte überhaupt zustande kommen. Die DGE definiert
einen Minimalbedarf, der mit optimaler Gesundheitsvorsorge wenig zu tun hat. Schaut
man sich die Zufuhrempfehlungen näher an, bemerkt man folgende Probleme:
—
Die Zufuhrempfehlungen verschiedener Staaten für bestimmte Vitamine unterscheiden
sich bis um das 20fache! Nicht die wissenschaftliche Forschung, sondern die politische
Machbarkeit bestimmt die Höhe der nationalen Zufuhrempfehlungen.
— Die Definition
des Vitaminmangels ist antiquiert, da die Richtwerte auf Basis des Wissensstandes
über Vitamine der 40er und 50er Jahre entwickelt wurden.
— Die Langzeitfolgen
eines Vitaminmangels und die Vorbeugung gegen Freie-Radikale-Erkrankungen durch
Antioxidanzien sind nicht berücksichtigt.
— Selbst innerhalb der DGE gibt
es unterschiedliche Lager. Die DGE entscheidet aber nach dem Einstimmigkeits-Verfahren.
Deswegen bewegt sich nichts. Auszüge aus: "Risikofaktor Vitaminmangel
von Andreas Jopp"
Über den Autor Andreas
Jopp - Risikofaktor Vitaminmangel
Andreas Jopp
ist ein gefragter Medizinjournalist und Bestseller-Autor. Er veröffentlichte 200
Fachartikel zu medizinischen Therapien und sechs Bücher zu den Themen Vitamine,
Mineralien, Fette und Hormone. Der Autor war wochenlang in den Sachbuch-Bestsellerlisten
von Focus und Stern. Er gilt als einer der bekanntesten Ernährungs- und Anti-Agingspezialisten
im deutschsprachigen Raum.
Nahrungsergänzungen
dienen nicht als Ersatz für eine ausgeglichene Ernährung. Informationen unserer
Webseite sind keine Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Bei
gesundheitlichen Beschwerden fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, bei Erkrankungen
von Tieren konsultieren Sie einen Tierarzt. Die Einnahme von Nahrungsergänzungen,
Medikamenten, Heilkräutern usw. sollten Sie mit einem Arzt Ihres Vertrauens
absprechen.