| Meine
Damen und Herren, ich freue mich sehr über die Gelegenheit, heute hier in Baltimore
vor einem so erlesenen Publikum zu sprechen. Ich hoffe, Ihr Interesse an dem Warum,
Wann und Wie meiner Entdeckung von OPC wecken zu können, jenen pflanzlichen
Substanzen, über die ich, wie ich gestehen muß, nun schon seit fast einem halben
Jahrhundert arbeite. Aber über diese Stoffe zu arbeiten, hat seinen eigenen Zauber
und mangelt auch nicht einer gewissen Poesie, dassich, wie Sie sehen, diesen Vortrag
damit beginne, Ihnen einige schöne Blumen zu zeigen.
Die
Substanzen, denen ich 50 Jahre meines Lebens als Professor
und Forscher gewidmet habe, gehören zu der großen Gruppe
der Polyphenole. Es sind pflanzliche Substanzen,
und wie wir alle wissen, steht die Pflanzenwelt am Ursprung der Tierwelt und somit
am Ursprung allen irdischen Lebens. Um Leben zu erschaffen, ist eine beträchtliche
Synthesekraft erforderlich, und zwar so sehr, dass Pflanzen außergewöhnlich reich
an chemischen Komponenten sind und wir, wenn wir etwa von Pycnogenolen oder Polyphenolen
sprechen, uns sofort Listen von vielen Hunderten Bestandteilen gegenübersehen.
Wenn wir also nicht bei einem veritablen chemischen und physiologischen Turm von
Babel enden wollen, werden wir bei diesen zahllosen Bestandteilen eine gewisse
Ordnung schaffen müssen. Ich möchte Ihnen daher
einen sehr kurzen Kurs über die Chemie von Pflanzen geben, genau gesagt, über
Polyphenole. Polyphenole sind farbige Substanzen
oder zumindest sind die Polyphenole, die Pflanzenpigmente sind, farbig. Lassen
Sie mich Ihnen ein Beispiel geben. Diese Blume ist rot, weil ihre Blüten das enthalten,
was als Anthocyan oder anthocyanische Pigmente bekannt ist, vom griechischen «anthos»,
was Blume bedeutet, und «kyanos», was blau bedeutet. Nun werden Sie einwenden,
dass der Name ziemlich schlecht gewählt ist, weil die Blume doch rot ist, der
Name jedoch blaue Blume bedeutet. Doch er leitet sich von dem ersten bekannten
Anthocyan ab, der aus der Kornblume gewonnen wurde, die ja blau ist. Ein typisches
Merkmal von Anthocyanen ist, dass sie in Säure rot und in alkalischen Umgebungen
blau sind. Wir müssen also bedenken, dass die riesige Gruppe der Polyphenole eine
Anzahl von roten und blauen Pigmenten umfaßt, die Anthocyane. Betrachten
wir nun eine weitere Gruppe der Polyphenole, die gelben Pigmente. Gelb heißt auf
lateinisch «flavus», daher der Name «flavonische
Pigmente», von denen es unzählige Arten gibt. Seit jeher werden diese Substanzen
als Drogen verwendet, das Wort «flavonisch» hat im
Laufe der Zeit eine sehr breite Bedeutung innerhalb der Pharmazie und Medizin
angenommen, und es ist üblich geworden, von Flavonoiden
zu sprechen. Flavonoid ist ein sehr praktischer Oberbegriff, aber es ist nicht
ganz klar, was er abdeckt. Das Suffix -oid bezeichnet «Form» oder «Ähnlichkeit».
Humanoid beispielsweise bedeutet, dass etwas dem Menschen ähnelt. Aber bei Flavonoiden
hat sich die schlechte Angewohnheit eingeschlichen, dass darunter auch große Mengen
an Molekülen subsumiert werden, die überhaupt nichts mit gelben Pigmenten zu tun
haben. Ich sage dies hier, um Ihnen eine allgemeine Vorstellung zu geben und Sie
praktisch vor dem unmäßigen Gebrauch des Begriffs Flavonoid zu warnen. Man sollte
immer spezifizieren, welches Flavonoid gemeint ist. Zusätzlich
zu den roten Pigmenten, den Anthocyanen, und den gelben Pigmenten, den Flavonen
oder Flavonoiden, gibt es eine Anzahl von Pflanzen, die offenbar nur durch Chlorophyll
pigmentiert sind, jenem 13 grünen Pigment, das die Blätter in die Lage versetzt,
eine organische Synthese zu leisten. Sie sehen hier einige Fotos von Traubenblättern.
Diese Blätter verbergen etwas wirklich Besonderes, nämlich Procyanidine
oder Proanthocyanidine, die Substanzen, über die ich viele Jahre gearbeitet
habe. Auch sie sind Polyphenole, aber farblose. Sie sehen also, dass der Begriff
Polyphenol in eine ganz große Tüte paßt, eine ganze Rumpelkammer voller Stoffe,
und dass Genauigkeit bei diesem Thema absolut notwendig ist. Man muß wissen, ob
ein Polyphenol farbig ist oder nicht, ob es ein Pigment ist - ein blaues, gelbes,
rotes Pigment usw. - oder ob es überhaupt nicht pigmentiert ist. Gerade jetzt
führt die Natur uns vor, dass viele grüne Blätter im Herbst rot werden. Der Grund
hierfür ist, dass sie Proanthocyanidine enthalten. Man
kann mit einem sehr einfachen Experiment das Vorkommen von Proanthocyanidinen
nachweisen. Dafür ist eine Investition von, sagen wir, 30 Dollar für Material
erforderlich, mehr nicht. Aber die Tatsache, dass das Experiment billig ist, macht
es noch lange nicht ungültig. Zudem ist es ein sehr einfach durchzuführendes Experiment.
Man schneidet ein Traubenblatt in kleine Stücke, gibt es in einen Erlenmeyer-Kolben,
fügt eine verdünnte Mineralsäure, eine zehnprozentige Salzsäurelösung, hinzu und
erwärmt das Ganze. Während es erwärmt wird, erscheint eine Rotfärbung.
Nach der Filtration kann man diese Färbung in einer Lösung gewinnen, und wenn
man die Lösung mit Isoamylalkohol verschüttelt, steigt die gesamte rote Färbung
nach oben. So verhalten sich Proanthocyanidine; oder vielmehr, so verhalten sie
sich im Labor. Wann immer diese Proanthocyanidine intensiv
mit einer Mineralsäure behandelt werden, verwandeIn sie sich in Anthocyane, in
rote Pigmente. Sobald diese Proanthocyanidine
in ihrer reinen Form isoliert sind, kann man das Experiment im Labor wiederholen,
und jedesmal, wenn man sie in Gegenwart von Säure erhitzt, verwandeln sie sich
in ein rotes Pigment, ein Anthocyan. Und deshalb werden
diese Substanzen Proanthocyanidine genannt, weil sie die Vorläufer von Anthocyan
sind. Es
ist sehr deutlich, dass in der Natur - und bedauerlicherweise können wir
hier drinnen das schöne Schauspiel nicht sehen, das die Natur draußen aufführt,
auch wenn Sie wissen, wie es aussieht, dasses sich direkt unter Ihren Augen abspielt
- ein roter Ahornwald seine typische Herbstfärbung
annimmt. Aber was geschieht in diesen Ahornblättem, wenn sie sich im Herbst
rot färben? Auch sie produzieren rotes Anthocyan. Diese Verwandlung wurde jedoch
nicht durch die Zugabe von Salzsäure ausgelöst. Und es ist gleichermaßen klar
dass, weil die Blätter im Begriff sind zu sterben, wir hier keine Synthese, sondern
eine schlichte Verwandlung vor uns haben, die Verwandlung
von Procyanidin in Anthocyan. Nach dieser Klarstellung können wir das Problem
nun genau fassen. Man kann das Vorliegen dieser Moleküle auf zwei Arten beweisen,
die ich im Laufe meines Lebens ausgiebig studiert habe. Erstens im Labor: Man
nimmt ein kleines Pflanzenfragment, erhitzt es in saurer Umgebung, und wenn es
sich rötet, liegt eine Anthocyan-Produktion vor. Die zweite Beweisführung besteht
darin, geduldig auf den Herbst zu warten und zu beobachten, ob die Blätter an
den Bäumen rot werden. Dann weiß man, dass die betreffende Pflanze Proanthocyanidine
absondert.
Ich will Sie nicht mit den chemischen
Formeln dieser Substanzen belästigen, ich will Ihnen nur bewußt machen, dass diese
Phänomene in Pflanzen vorkommen, die Katechine synthetisieren können. Katechine
sind Polyphenole; sie sind zugleich ein weiteres Mitglied der riesigen
und äußerst komplexen und vielfältigen Gruppe der Polyphenole. Katechine sind
Monomere, und ich stelle sie hier als ein Kreis mit dem Buchstaben K dar. [Hier
bezog sich Masquelier auf die Abbildung einer chemischen Formel.] Einige
Pflanzen synthetisieren nur Katechine. Ein sehr bekanntes Beispiel ist Tee. Grüner
Tee enthält Katechine und sonst nichts. Diese Katechine mögen in ihrer Komplexität
schwanken, aber es sind alles Monomere. Hingegen wird
in anderen Pflanzen, etwa der Weintraube, dem Ahorn und vielen anderen, das Katechinmonomer
synthetisiert, und dann verbindet es sich zu Zweier-, Dreier-, Vierer- und manchmal
Fünfergruppen, wenngleich dies selten vorkommt. Diese Gruppen sind als oligomere
Procyanidine bekannt oder OPC. Sie stehen im Zentrum meiner Studien, und
über sie möchte ich heute ausführlich sprechen. Wie
Sie sehen, habe ich Katechin mit dem Buchstaben K gekennzeichnet. Haben
Katechine, die sich durch Kohlenstoff-Kohlenstoff-Brücken verbunden haben, OPC
gebildet, verlieren sie ihre Identität als Katechine und werden zu procyanidolischen
Einheiten. Aus diesem Grund habe ich den Buchstaben K durch den Buchstaben
E 14 ersetzt. Dies soll Ihnen eindeutig klarmachen, dass jede Einheit ihre Katechin-Identität
verliert, wenn OPC gebildet wird. Gezeigt
werden soll hier, dass wir es mit etwas anderem als einem kondensierten Katechin
zu tun haben. Diesen Katechinen, die mittels einer Kohlenstoff-Kohlenstoff-Brücke
und einem anderen Katechin wie eine Einheit miteinander in einer E-Form verbunden
sind, ist zu eigen, dass man beim Zerbrechen der Kohlenstoff-Brücke keine Katechine,
sondern Anthocyane erhält. Dies ist die Reaktion, die ich Ihnen gezeigt habe,
das berühmte 30-Dollar-Experiment, das zwar nicht besonders seriös wirken mag,
aber trotz der bescheidenen Kosten sehr interessant ist und das Sie hier sehen.
Es zeigt, dass Dimere, d.h. zwei durch eine Kohlenstoff-Brücke miteinander verbundene
Katechine, ihre unterschiedlichen Identitäten völlig verlieren. Es ist so, als
ob Fräulein Durand und Herr Dupont heirateten und nach der Eheschließung weder
eine Spur von Dupont noch Durand zu finden wäre, sondern dass sie einen neuen
Namen angenommen hätten. Sie sind immer noch zwei Individuen, zwei Menschen, aber
die sie verbindende Ehe hat dazu geführt, dass sie ihre frühere Identität aufgegeben
haben. Wichtig ist zu bedenken, dass wir es mit einer völlig anderen Substanz
zu tun haben, wenn Dimere, Trimere usw. - also OPC - gebildet werden. Mit anderen
Worten: Wenn die Natur beschließt, eine Pflanze, z.B. Teeblätter, ausschließlich
Katechine hervorbringen zu lassen, stellt sie sicher, dass diese Katechine ganz
bestimmte sind. Es ist falsch, von Tannin im Tee zu
sprechen. Teeblätter enthalten nur Katechine. Diese mögen mehr oder weniger
variiert sein, aber dennoch bleiben sie alle Katechine. In
Trauben- und Ahornblättern hat die Natur beschlossen, die Katechine in OPC zu
verwandeln, und hat unter diesen Bedingungen neue Individuen hervorgebracht. Sowohl
von einem chemischen wie auch medizinischen oder physiologischen Gesichtspunkt
aus dürfen wir Katechine nicht mit OPC verwechseln.
Ich
will Ihnen ein Beispiel geben, das ich sehr gut kenne, weil ich, wie Sie wissen,
aus einer Gegend in Frankreich komme, wo viel Wein produziert wird. Und dazu noch
sehr guter Wein, wenn Sie mir diese Bemerkung erlauben, fast so gut wie die Napa-Valley-Weine.
Die Synthese, die in Wein stattfindet oder vielmehr
im Traubenblatt, ist besonders komplex, weil das Traubenblatt nicht nur Monomere,
d.h. Katechine, sondern auch Oligomere produziert, die, wie wir gesehen haben,
durch eine Kohlenstoff-Kohlenstoff-Brücke verbundene Katechine sind und zu OPC
verwandelt wurden. Über diese Verbindung von zwei, vier, sagen wir noch, fünf
Katechine hinaus erhalten wir Polymere. Sie sind kein OPC mehr, sondern Polymere,
weil über eine gewisse Verdichtung hinaus diese Substanzen zu Tanninen werden.
Und auch hier müssen wir mögliche Verwechslungen vermeiden. Sie sehen nun, wie
komplex die Chemie der natürlichen Substanzen ist! Allgemein ist der Eindruck
verbreitet, dass alles Natürliche gut, rein, einfach und leicht zugänglich ist.
Aber die Chemie der natürlichen Substanzen ist einer der schwierigsten Chemiezweige.
Wir dürfen keinesfalls ein Katechin mit einem Tannin verwechseln, und doch geschieht
dies leicht, weil wir beispielsweise vom Tannin im Tee sprechen, was ein großer
Irrtum ist. Tee enthält Katechine und sonst nichts. Kein Tannin. Aber
wir dürfen auch nicht glauben, dass es keinen Unterschied zwischen OPC und Tannin
gebe. Tannin ist ein riesiges Molekül, das, physiologisch gesprochen, nicht länger
interessant ist. Meiner Meinung nach wird Tannin wegen der einzig wertvollen Eigenschaft
benutzt, die es aufweist und die seit langem bekannt ist: seine Wirkung gegen
Durchfall. Tannine sind jedoch nicht in der Lage, die
Darmschranke zu passieren und daher nicht bioverfügbar. Wir sollten uns
also von den Tanninen abwenden und mehr auf die richtigen Oligomere konzentrieren,
kleine Gruppen von zwei, drei, vier und sehr selten sogar fünf Katechinen, die
durch eine Kohlenstoff-Kohlenstoff-Brücke miteinander verbunden sind und eine
anthocyane Reaktion auslösen. Diese bedeutet, dass sie unter den zuvor genannten
Bedingungen in rote Pigmente verwandelt werden. 1979
prägte ich das Wort „Pycnogenol", um ein wenig Ordnung
in diese hochkomplexe Chemie zu bringen. Wenn wir nämlich von Tanninen
sprachen, wußten wir nie genau, was das war. Aus chemischer Sicht - als Chemiker
- prägte ich das Wort Pycnogenol. Dieses Wort deckt all diese Substanzen ab, denn
es sind alles Substanzen, die sich unter bestimmten Bedingungen miteinander verbinden
können. Auf griechisch bedeutet Pycnogenol «mit der Neigung, sich untereinander
zu verbinden, Gruppen mit zunehmender Komplexität zu bilden». Nun wissen Sie also
fast soviel wie ich über dieses Thema, und wenn ich noch weiter fortfahren würde,
würde es bald schon kompliziert, und ich verlöre vermutlich Ihre Aufmerksamkeit.
Ich will Ihnen nun
etwas über meine Forschung erzählen, darüber, warum ich Erfinder bin und besonders,
warum ich OPC für medizinische Zwecke entdeckte. Sie wissen, dass ein Erfinder
nichts aus dem Nichts erschafft. Wenn ich plötzlich ein weißes Kaninchen aus dem
Nichts erschaffen könnte, wäre ich ein Schöpfer. Wir alle wissen, dass der Begriff
«Schöpfer» für Gott reserviert ist, der ohnehin auf diesem Gebiet unschlagbar
ist; es hat daher auch keinen Zweck, sich mit Ihm messen zu wollen. Der Erfinder
ist Teil des von Gott geschaffenen Universums. Und
wie wir seit Lavoisier wissen, diesem großen französischen Chemiker, der als Vater
der modernen Chemie betrachtet wird, wird nichts in dieser Welt erschaffen und
nichts verloren, sondern alles verwandelt. Daher verwandelt auch ein Erfinder
nur, was in der Natur bereits vorhanden ist. Diese Verwandlung besteht oft in
der Entdeckung einer neuen Möglichkeit einer bekannten Substanz. In
diesem Sinn war ich ein Erfinder, als ich die therapeutischen Eigenschaften von
OPC entdeckte, zu denen ich nun komme. Ich
begann meine Forschung über Erdnüsse. Warum Erdnüsse, werden Sie fragen. Weil
Öl aus Erdnüssen gewonnen wird, und das war auch
1945 der Fall. Zu der Zeit war ich ein junger Student und arbeitete an
meiner Dissertation. Ich arbeitete deshalb über Erdnüsse, weil Frankreich ziemlich
schlecht aus dem Krieg hervorgegangen war. Die USA hatten uns geholfen, unsere
Feinde loszuwerden, aber das Land war ausgeblutet. Wir konnten uns damals in Frankreich
nicht richtig ernähren. Daher stellte sich die Frage, ob das, was von der Erdnuß
nach der Öl-Extraktion übrigblieb und bis dahin an das Vieh verfüttert worden
war, nicht auch zur Ernährung der Franzosen taugte, vorausgesetzt, dass es nützliche
Aminosäuren enthielt. Ich war also mit dieser Aufgabenstellung
befaßt. Um die Aminosäuren zu untersuchen, die nach der Ölgewinnung in der Erdnuß
verblieben, musste ich mit einer Säure die Proteine in Aminosäuren zurückführen.
Jedesmal, wenn ich eine Säure
gebrauchte, tauchte eine rote Farbe auf. Ohne es zu wissen, verursachte ich cyanidolische
Reaktionen. Ich wollte wissen, was diese
Rotfärbung verursachte und entdeckte, dass es eine farblose Substanz war, die
in der Erdnußhaut vorkam, eine Substanz, die in der Erdnuß selbst entstand und
sich anschließend in der Haut konzentrierte.
Kurz gesagt, meine Dissertation nahm allmählich Gestalt an. Dies geschah 1948,
um genau zu sein, am 12. Juli 1948. Sie können selbst errechnen, dass ich zu jener
Zeit ziemlich jung war, dassich 1922 in Paris geboren wurde. Und doch enthielt
diese Dissertation einige neue Fakten über Polyphenole. Tatsächlich formulierte
ich zu dieser Zeit die Hypothese, dass sich diese monomerischen Substanzen während
des Stoffwechsels mittels einer Kohlenstoff-Kohlenstoff-Brücke miteinander verbanden,
um Dimere zu bilden. Dies war eine meiner ersten
Entdeckungen in jener Zeit. Die zweite war folgende: Ich
hatte mit Meerschweinchen gearbeitet und ihren Kapillarwiderstand gemessen, nachdem
ich ihnen diese aus Erdnüssen isolierte Substanz verabreicht hatte, bei der es
sich natürlich um OPC, ein Proanthocyanidin, handelte. Ich bemerkte, dass
diese Substanz die Kapillarresistenz der Tiere erhöhte. Aber zu dem Problem der
Kapillarresistenz komme ich später noch. Der
für mich wichtige Punkt war: Ich nahm diese Untersuchungen
natürlich in einem biochemischen Labor vor, und zwar einem, das einer medizinischen
Fakultät angeschlossen war. Mehr oder weniger steht fest, dass ich mich
darauf beschränkt hätte, die Chemie dieser Substanzen zu untersuchen, wenn ich
in einem Labor gearbeitet hätte, das einer naturwissenschaftlichen Fakultät angegliedert
war. Aber dass ich nun einmal zufällig an einer medizinischen Fakultät arbeitete,
wollte ich wissen, ob diese Substanzen irgendeine physiologische Bedeutung hatten.
Hierbei hatte ich großes Glück, denn ich entdeckte,
dass diese Substanzen eine Wirkung auf das Gefäßsystem hatten, dass sie die Kapillarresistenz
erhöhten. Und zwar sogar so stark, dass 1950, nachdem ich die Methode hatte patentieren
lassen, mit der man diese Substanzen extrahieren kann, das erste auf OPC basierende
Medikament auf dem französischen Markt erschien. Es hieß ResivitTM und basierte
auf Proanthocyanidinen, die aus Erdnußhäuten gewonnen waren. Wenn
Sie nach Frankreich gekommen wären und in einer Apotheke nach ResivitTM gefragt
hätten, man hätte es Ihnen mit Freuden verkauft. Natürlich, denn Apotheker verdienten
ja ihr Geld damit, aber das zeigt, dass dieses Gefäßschutzmittel ResivitTM seit
1950 in Frankreich verkauft wird, und es ist immer noch auf dem Markt.
Die Erdnüsse zur Herstellung von ResivitTM wurden in ihren Schalen aus Afrika
importiert. Kurz nach der Einführung von ResivitTM kamen die Erdnüsse jedoch ohne
Schalen in Bordeaux an. Die Senegalesen hatten begonnen, sie mit diesem einfachen
Gerät zu schälen, und seitdem trafen sie in Bordeaux eben ohne ihre Häutchen ein.
Dies bedeutete, dass unsere Quelle an Rohmaterial für das Medikament versiegt
war und ich eine andere OPC-Quelle finden mußte. Zufällig fand ich sie in dem
Pinienwald nahe Bordeaux, der sich vom Süden der
Stadt bis hin zur spanischen Grenze zieht. Diese Gegend heißt «Les Landes», und
in der Rinde der Pinien dieser Region fand ich wieder einmal Proanthocyanidine,
OPC. Ich erforschte sie und entdeckte eine Methode, mit der man sie gewinnen konnte.
Diese Extraktionsmethode war Gegenstand des Patents, das
ich 1951 anmeldete. Wie Sie sehen, reicht dies nun schon eine ganze
Zeit zurück, und es zeigt deutlich, dass man in Frankreich damals an dieser Substanz
interessiert war, zumindest jedenfalls in Bordeaux und in meinem Labor.
Dieses Patent war die Grundlage
für FlavanTM, ein Arzneimittel, das auf OPC aus Pinienrinde basierte.
Aus Pinienrinde gewonnenes OPC
hat ebenfalls eine Wirkung auf das Gefäßsystem. Daher ist FlavanTM auch ein Gefäßschutzmittel.
Es wird immer noch in französischen Apotheken verkauft und von französischen Ärzten
verschrieben. Um
mit den positiven Ergebnissen meiner Forschung fortzufahren: Ungefähr zehn Jahre
später kamen wir in meinem Labor auf die Idee, Traubenkerne
zu analysieren. Wir entdeckten, dass das in dem Traubenblatt vorhandene OPC von
dem Blatt in den Traubenkern wandert und sich dort sammelt. Dadurch wurde der
Traubenkern zu einem sehr interessanten Rohstoff für die Extraktion von OPC, besonders,
weil er als ein Abfallprodukt der Herstellung von Bordeauxwein billig und reichlich
vorhanden war. Nachdem die Trauben gelesen und gepreßt worden sind, findet
man wahre Berge an Traubenkernen. Traubenkerne werden manchmal für die Ölgewinnung
genutzt, weil Traubenkernöl ein ausgezeichnetes, köstliches Speiseöl ist, reich
an mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Aber sie können
nicht alle für die Ölgewinnung verbraucht werden, es gibt einfach zu viele, so
dass die Industrie begann, sie auch als eine neue Quelle für OPC zu nutzen.
In einem Traubenkern befindet sich das Öl auf der Innenseite; auf der Außenseite
ist eine Zone, die Tannin enthält, und direkt auf der Oberfläche dieser Tanninzone
findet man OPC.
Das fassbare Ergebnis
all dessen ist ein drittes Arzneimittel, EndotélonTM, ein weiteres Gefäßschutzmittel,
das auf Traubenkernen basiert, die bei der Herstellung von Bordeauxwein übrigbleiben.
Wie Sie sehen, liegt hier seit Jahrzehnten ein
kontinuierlicher Prozeß vor, ein Entwicklungsprozeß dreier Arzneimittel, die auf
natürlichen Substanzen beruhen und alle das gleiche therapeutische Profil aufweisen,
nämlich Schutz des vaskulären
Systems. Aber wie stellt man diese
Schutzwirkung für das Gefäßsystem fest? Indem man den Widerstand der kleinen Kapillargefäße
mißt. Die Kapillarresistenz läßt sich leicht messen. Man muß nur mit diesem kleinen
Gerät ein Vakuum in diesem Glasgefäß herstellen und kann mit einem Manometer in
Quecksilberzentimetern den so hergestellten Druckabfall messen. Zur Durchführung
der Messung legt man das Gerät an die Haut und schafft ein Vakuum, bis winzige
kleine Hämorrhagien erscheinen. Die Messung, die Sie hier [auf
dem Dia] sehen, wurde bei einem Druck durchgeführt, der unter dem der Kapillarresistenz
lag, aber wenn man einen Druck schafft, der 25 Quecksilberzentimetern auf dem
Manometer entspricht - was im allgemeinen der erforderliche Druck bei einem gesunden
Mann ist -, fangen die ersten Kapillaren an zu platzen, und so hat man die Kapillarresistenz
ermittelt. Diese Messung kann natürlich auch an Meerschweinchen oder anderen Tieren
durchgeführt werden. Was geschieht bei dieser Messung unter der Haut? Ganz einfach:
Die Kapillaren platzen. Hier sehen Sie das Bild eines geplatzten Haargefäßes,
das mit einem Elektronenmikroskop aufgenommen wurde. Sie sehen die roten Blutzellen,
die Lymphozyten, das Innere der Kapillare, die sie umgebenden Zellen und noch
etwas, das sich wahrzunehmen lohnt, weil es sich mehr oder weniger wie Umhüllungsgewebe
um die Zellenwand verhält: Kollagenfasern. Und
damit bin ich zu dem wichtigsten Element meiner damals neuen OPC-Entdeckungen
gelangt: ihrer Wirkung auf Kollagen.
Man könnte sagen, dass seit meiner Publikation dieser umfassenden Tabelle die
Proanthocyanidine, OPC, als «Kollagenvitamine» betrachtet
werden können, weil sie an der Biosynthese von Kollagen teilhaben und seine Zerstörung
verhindern. Betrachten wir daher zuerst die Biosynthese. Wie Sie wissen,
erfordert die Biosynthese von Kollagen Ascorbinsäure, Vitamin
C, weil die Aminosäuren Prolin und Lysin hydroxyliert werden müssen, bevor
sie als physiologisch aktives Kollagen inkorporiert werden können. Das
OPC verhält sich wie der Co-Faktor von Vitamin
C, verstärkt seine Wirkung und aktiviert somit die Kollagenproduktion.
Man kann dies mit der Reparatur einer kaputten Leiter vergleichen, bei der nur
noch zwei Sprossen übrig sind. Sie muß repariert werden und neue Sprossen erhalten.
Dank OPC verstärkt sich das Kollagen durch Querverbindungen,
die es physiologisch wieder funktionsfähig und stabil machen, wie im Bild der
reparierten Leiter.
Aber ich brauche Ihnen,
meine Damen und Herren, nicht zu erzählen, dass Sie eine Leiter nicht mit egal
welchen Holzstücken reparieren können. Die Holzstücke müssen die richtige Größe
haben und zwischen die beiden Seitenteile passen. Wenn Sie zu lange Holzstücke
benutzen, wird die Leiter ganz krumm und nutzlos. Ich gebrauche dieses Bild, um
klarzustellen, dass Sie mit einem Tannin oder andererseits einem Katechin Holzstücke
hätten, die zu groß oder zu klein wären und niemals zwischen die Seitenteile paßten.
Die Seitenteile der Leiter sind die Kollagenfasern, und hier haben Sie beispielsweise
ein Polyphenol, das sich zwischen die Seitenteile der Leiter einpassen will. Diese
Polyphenolsubstanzen müssen über eine gewisse molekulare Größe verfügen, wenn
sie das Kollagen reparieren sollen. OPC hat zufällig die richtige Größe und paßt
ganz genau zwischen die Kollagenfibern. Man kann das an der Kontraktion einer
Kollagenfaser messen, die mit heißem Wasser in Berührung kommt. Sobald das heiße
Wasser aufgedreht wird, zieht sich die Kollagenfaser zusammen. Wir erkennen dies
sehr gut an der schnellen Kontraktion der Kontrollfasern. Gleiches gilt für Fasern,
die zum ersten Mal in Kontakt kommen mit dem, was ich die «gewöhnlichen» Bioflavonoide
nennen würde. Bei Katechinen verzögert sich die Kontraktion etwas. Das bedeutet,
dass das Kollagen etwas stärker ist. Und auch wenn Tannine für eine noch längere
Verzögerung sorgen, erhält man bei OPC die längste Kontraktionszeit. Je
länger die Kontraktionszeit, desto besser wurde das Kollagen repariert. Hier sehen
Sie wieder einmal eine Bestätigung der Tatsache, dass Sie Moleküle einer bestimmten
Größe brauchen, damit die Reparatur auch ausgeführt werden kann. Man kann zerstörtes
Kollagen nicht einfach mit irgend etwas reparieren. Mein
Laboratorium führte andere Experimente mit Meerschweinchen durch, um zu beweisen,
dass OPC der Co- Faktor von Vitamin
C ist. Wir experimentierten mit in vier Gruppen aufgeteilten Tieren. Der ersten
Gruppe wurde Vitamin C vollkommen entzogen. Die Meerschweinchen lebten ungefähr
fünf Wochen und starben dann an Skorbut. Eine Kontrollgruppe erhielt eine ausgeglichene
Ernährung mit viel Vitamin
C, und im Verlauf des Experiments überlebte sie nicht nur, sondern nahm auch
an Gewicht zu. Aber wir entdeckten etwas sehr Interessantes in den beiden anderen
Gruppen, wo den Meerschweinchen etwas weniger Vitamin
C verabreicht wurde, wenngleich nicht genug zum Überleben. Hier sehen Sie
die Kurve, die man erhält, wenn man den Meerschweinchen die gleiche unzureichende
Menge an Vitamin C gibt,
diesmal aber zusätzlich OPC: Die Tiere überleben. Wenn
man OPC der Ascorbinsäure hinzufügt, verlängert und verstärkt sich deren Wirkung.
Man kann daher sagen, dass OPC der Co-Faktor von Ascorbinsäure ist. Und es gibt
keine bessere Art, die wohltuende Wirkung von OPC auf Vitamin
C zu beweisen. Hier - ich werde dieses Thema sehr schnell abhandeln
- sehen Sie den Beweis, dass OPC Enzyme hemmt, die das Kollagen zerstören, wie
Elastase, und allgemein Enzyme hemmt, die Proteine angreifen. Schließlich,
wenn wir zu der letzten Tabelle zurückkehren, sehen wir, dass unter diesen Bedingungen
Proanthocyanidine eine Rolle beim Aufbau von Kollagen spielen und seine Zerstörung
durch solche Enzyme verhindert, die die Kollagenzerstörung beschleunigen, wie
Kollagenasen. Wie Sie wissen, gibt es gewisse Krankheiten,
bekannt als Kollagen-Krankheiten, die durch eine Hyperaktivität dieser zerstörerischen
Enzyme gekennzeichnet sind. Diese Experimente bewiesen die
therapeutische Wirkung von OPC auf den Blutkreislauf. Angesichts der Tatsache,
dass die Wand eines Blutgefäßes, das Endothelium, voller Kollagen ist, was die
Elastizität und die Resistenz des Gefäßes sichert, folgt daraus, dass man, wenn
man das Kollagen schützt, indem man die Qualität des Kollagens verbessert, gleichzeitig
die Qualität des Blutgefäßes selbst verbessert. Wir
mußten auch beweisen, dass OPC bioverfügbar ist. Und dies war keineswegs
offensichtlich, weil polymerisiertes OPC Tanninen ähnelt, und wir wußten ja, dass
Tannine nicht bioverfügbar sind. Oral eingenommene Tannine durchdringen nicht
die Darmwand. Wie konnten wir also beweisen, dass OPC diese Wand durchdringt?
Mit anderen Worten, wie konnten wir beweisen, dass oral eingenommenes OPC bei
Tieren wie bei Menschen schließlich mehr oder weniger überall im Körper sein würde?
Hierfür markierten wir OPC aus Trauben mit radioaktivem Kohlenstoff . Natürlich
konnten wir die Pinien aus der Gegend von «Les Landes» nicht markieren, dass wir
sie nicht in unser Labor mitnehmen konnten; also züchteten wir statt dessen «Mini-Weinstöcke».
Diese hielten wir 45 Tage lang in einer kohlensäurereichen Atmosphäre, wofür wir
radioaktiven Kohlenstoff benutzten. Die Photosynthese dauerte 45 Tage, und besonders
verband sich das OPC mit dem radioaktiven Kohlenstoff. Als wir nach 45 Tagen die
Blätter von den Reben pflückten und sie im Dunkeln auf Fotopapier legten, erhielten
wir «Auto-Röntgenstrahlen»: Die Traubenblätter waren
radioaktiv und fotografierten sich selbst. Wenn man also einem Tier Proanthocyanidine
gibt, OPC, das aus mit radioaktivem Sauerstoff behandelten Traubenkernen gewonnen
wurde, wird ihre Verteilung im Körper durch die Radioaktivität meßbar, die von
jedem tierischen Organ ausgeht, wie man an dieser Tabelle ablesen kann. In dieser
Tabelle haben wir die Radioaktivität des gesamten Blutes bei 1 angesetzt, und
Sie sehen, dass die Aorta gleichzeitig die höchste Radioaktivität aufweist. Wenn
die Gesamtblutradioaktivität bei 1 ist, so ist die der Aorta sieben- bis achtmal
höher. Das bedeutet zunächst einmal, dass OPC sich
im ganzen Körper verbreitet, aber eine besondere Affinität zu dem vaskulären System
aufweist.
Wenn Sie eine Scheibe des Tieres
nehmen - dies ist der Querschnitt einer in flüssigem Helium gefrorenen Maus -
und sie auf einen radiographischen Film legen, erscheinen alle radioaktiven Stellen
als weiße Flecken. Hier ist zum Beispiel der Querschnitt der Aorta und der Haut.
Kurz gesagt, verbreitet sich die Radioaktivität durch den ganzen Körper, ein Beweis
dafür, dass OPC bioverfügbar ist. Hier sehen Sie die Radioaktivität auf einer
Vergrößerung des Tierherzens, und Sie sehen, wieviel OPC sich tatsächlich an das
Kollagen in den Wänden der Arterien heftet, die das Blut zum und vom Tierherzen
transportieren. Es ist keineswegs selbstverständlich,
dass andere Polyphenole ebenfalls bioverfügbar sind. Ich habe darauf hingewiesen,
dass Tannine es nicht sind, und es gibt ein weiteres Polyphenol namens Rutin oder
Rutosid, das als Nahrungsergänzungsmittel viel verkauft wird. Sicher verfügt es
auch über eine gewisse Wirkung, zweifellos, aber als wir Rutosid
mit Kohlenstoff 14 markierten, wie wir dies mit dem OPC aus Traubenkernen gemacht
hatten, und es an ein Tier verfütterten, konnten wir nur im Darmtrakt Radioaktivität
entdecken. Ganz offensichtlich mußte das Rutosid
ja irgendwo sein, aber es war im Darm verblieben. Wir mußten den Umriß des Tierkörpers
einzeichnen, dasseinzig der Darm radioaktiv war, und sonst nichts. Dies
beweist, dass dieses Flavonoid nicht bioverfügbar ist. Immer noch wird es als
Arzneimittel verkauft, was natürlich für diejenigen angenehm ist, die damit ihr
Geld verdienen, aber es ist nicht erprobt wie OPC. Ich
komme nun zum letzten Teil meines Vortrags [...].
Wie Sie sich erinnern, beschäftigte ich mich in meiner ersten Arbeit mit Erdnüssen.
Diese enthalten Öl, und wie zufällig ist dieses Öl
von einer OPC-haltigen Haut umhüllt. Anschließend arbeitete ich über die Pinie
aus der Gegend von «Les Landes», die ein Harz enthält, das sehr anfällig für Oxidation
ist, und wiederum wie zufällig wird dieses Harz ebenfalls durch eine Art «Rindenschale»,
die reich an OPC ist, beschützt. Im dritten Fall wandte ich mich den Traubenkernen
zu. Ich habe bereits dargestellt, dass Traubenkerne ein Öl enthalten, das sehr
reich an Polyäthylenfettsäuren ist, und siehe da, auch Traubenkerne sind von einem
stark OPC-haltigen Bereich umgeben. Kurzum, Pflanzen
ergreifen die Vorsichtsmaßnahme, sich mit OPC zu umgeben, wenn sie sich gegen
Oxidation schützen müssen. Warum sollten
wir Menschen nicht das gleiche tun? Auch wir haben Gründe, uns vor den Auswirkungen
von Sauerstoff zu fürchten. Ich stellte mir diese Frage, und bei dem Versuch,
sie zu beantworten, entdeckte ich die ausgesprochen starke Schutzwirkung von OPC
gegen die freien Sauerstoffradikale.
Dies
ist das Foto eines Buches. Dieses Buch aus meiner Bibliothek ist hundert Jahre
alt und vergilbt wie alle alten Bücher. Trotz sorgfältigen Umgangs hat Sauerstoff
dazu geführt, dass das Papier gelb wurde, wie jeder selbst sehen kann. Ebenfalls
kann jeder leicht das folgende überprüfen. Nehmen Sie eine
Seite aus einer Zeitung, und legen Sie sie an einem schönen Sommertag in die Mittagssonne,
und zwar mit einem dunklen Teller, den Sie mitten auf das Papier stellen. Lassen
Sie die Zeitung drei Stunden in der Sonne. Nach diesen drei Stunden werden Sie
bemerken, dass die Zeitung sich fast so stark gelb gefärbt hat wie das alte Buch
in einem Jahrhundert. Was ist geschehen? Eindeutig hat sich die Zeitung
unter dem Teller nicht gelb verfärbt, wo sie vor der Sonne geschützt war. Das
bedeutet, dass Sauerstoff durch das Sonnenlicht verstärkt dazu neigt, sich in
freie Radikale zu verwandeln. Mit anderen Worten, molekularer Sauerstoff wird
zu radikalem Superoxid und zum großen Kummer der Moleküle, die ihm im Weg stehen,
denn sie haben gute Chancen, in Stücke zerbrochen zu werden. Die Wirkung hiervon
auf Kollagen wird an dem Bild der alten Landfrau aus den Bergen Perus deutlich.
Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, dass hier ein Beispiel von stark beschädigtem
Kollagen bei einem Menschen vorliegt, der mehr als 60 Jahre in Höhenluft verbracht
hat und daher nicht nur dem Sauerstoff, sondern auch dem Sonnenlicht und freien
Radikalen ausgesetzt war. All dies ist ziemlich
banal und allseits bekannt. Aber vielleicht führt es uns zu der Annahme, dass
dieser Prozeß nur das Äußere unserer Körper betrifft. Dem ist jedoch nicht so.
Jede Zelle in unserem Körper muß Moleküle beseitigen, und im allgemeinen gebrauchen
Zellen Sauerstoff, um die nicht mehr brauchbaren Moleküle fortzuschaffen, lästige
Moleküle, die sie in ihrem Zytoplasma nicht gebrauchen können. Einige dieser Moleküle
können jedoch nicht von den Sauerstoffmolekülen beseitigt werden, die wir atmen.
Unsere eigenen Körper verwandeln einen Teil des Sauerstoffs in freie
Radikale. Tatsächlich haben wir in unseren Körpern freie
Radikale, die wir selbst hervorbringen, um das Innere unserer Zellen von
den Substanzen zu befreien, wie das «X», das von dem normalen Sauerstoff, den
wir atmen, nicht oxidiert werden kann. Sie sehen also, dass freie Radikale eine
physiologische Aufgabe erfüllen. Zufällig könnte «X» Alkohol sein. Alkohol ist
eine der Substanzen, die freie Radikale erfordern, um aus unseren Zellen entfernt
zu werden. All dies ist kaum tröstlich, aber wir haben gewisse natürliche Abwehrmechanismen.
Die Art, wie unser Körper freie Radikale einsetzt, um seine Zellen zu entgiften,
ist ein wenig so, wie wenn man eine Fliege mit einer Kalaschnikow tötet. Effektiv
zwar, aber mit beträchtlichem Schaden für alles, was die Fliege umgibt. Um also
diesen «Overkill» zu vermeiden, haben wir Schutzsysteme in Form von Enzymen, wie
Superoxid Dismutase, Glutathion, Peroxidase,
Katalase. Sie verhindern, dass die anfängliche Reaktion durch das Superoxidmolekül
zu einer Kettenreaktion führt; sie verhindern, dass auf die Produktion von Superoxid
eine ganze Armee an freien Radikalen folgt. All dies funktioniert sehr gut, aber
... diese Enzyme sind Proteine, und mit zunehmendem Alter läßt unsere Fähigkeit
nach, Proteine zu synthetisieren. Außer dem Alter gibt es noch genetische Schwächen,
die unsere Fähigkeit zur Proteinsynthese beeinträchtigen. Nun
werden Sie sagen: «Aber es gibt doch Vitamine, Vitamin
E und Vitamin C. Sie sind Antioxidanzien,
die eine Rolle in unserem natürlichen Abwehrsystem spielen.» Das tun sie in der
Tat, aber nur, wenn wir Nahrung zu uns nehmen, die genügend davon enthält. Auch
wir können nicht immer die Dosen an Vitamin
C und E kontrollieren, die wir täglich zu uns nehmen. Und außerdem zieht die
extrem ungesunde moderne Praxis strenger Diäten oft einen äußerst unzureichenden
Vitaminverbrauch nach sich. Das Ergebnis ist, dass viele
Menschen einen Überschuß an freien Radikalen produzieren. Wir können unseren Glückssternen
für die Existenz von Neutralisierern der Radikalen danken, Substanzen, die uns
im Kampf gegen freie Radikale unterstützen. Diese Substanzen sind OPC. Ich werde
es Ihnen beweisen. Dies ist DPPH, Diphenyl-Picryl-
Hydrazyl, ein freies Radikal. Wenn man nach und nach zum Beispiel OPC dem DPPH
hinzufügt, hört die Radikalenwirkung auf. Hier sehen Sie das DPPH ohne OPC, mit
ein wenig OPC und mit genügend OPC, um die vollständige Unterdrückung der Radikalenwirkung
sicherzustellen. Dies alles kann man mit bloßem Auge beobachten. Hier haben Sie
das freie Radikal, das gefärbt ist und allmählich seine Farbe verliert und verschwindet,
während wir der Lösung mehr OPC hinzufügen.
Sie
mögen einwenden, dass all dies schön und gut sei, aber dass es nur «in vitro»
geschieht, dass es nicht real ist. Die Frage lautet daher, geschieht dies wirklich
in unseren Körpern? Ich habe schon vorgeführt, dass OPC bioverfügbar ist und von
unserem Gewebe absorbiert wird. Ich habe
also ein Experiment durchgeführt, indem ich mich selbst als Meerschweinchen benutzte.
Ich appilzierte etwas Dithranol, einen Stoff, der freie Radikale produziert, auf
meinem Arm. 48 Stunden später wies die Haut auf meinem Arm Läsionen auf, die für
die Wirkung freier Radikale typisch sind, außer an den Stellen, wo ich die Haut
fünf Minuten nach dem Auftragen von Dithranol mit ein wenig OPC-haltiger, auf
Traubenkernen basierender Salbe einrieb. Sie sehen hier, dass die Reaktion auf
die Radikale viel schwächer ist. Das beweist, dass die antiradikale Wirkung auch
in lebendem Gewebe stattfindet. Dies
alles führte dazu, dass ich 1987 dieses Patent anmeldete. Ein US-Patent, das mir
gewährt wurde für einen «Pflanzenextrakt mit einem proanthocyaniden Inhalt, als
therapeutischer Wirkstoff mit radikalenentschärfender Wirkung und zu selbigem
Gebrauch». Ich
muß sagen, dass dieses Patent in gewissen Kreisen dieses Landes nicht mit uneingeschränkter
Freude aufgenommen wurde. Einige Leute fragten sich, woher ich die Frechheit nahm,
direkt unter ihren Augen ein Patent anzumelden. Aber so war es nun einmal. Wenn
man 40 Jahre lang geforscht hat, würde ich sagen, hat man das Recht, ein paar
Patente anzumelden. Und ich habe Patente überall in der Welt angemeldet.
Wie auch immer, das US-amerikanische Patentamt in Washington hat mir dieses Patent
freundlicherweise genehmigt, und ich bin sehr stolz darauf, für diese Entdeckung
Inhaber eines Patents der Vereinigten Staaten zu sein. Hiermit möchte ich Ihnen
zeigen, dass die Kosmetikindustrie, sowohl hier als auch in Frankreich, sich der
antiradikalen Substanzen bedient. In Frankreich gibt es eine ganze Reihe Kosmetika,
die aus Traubenkernen gewonnene Pycnogenole enthalten.
Ein
paar abschließende Worte zu dem «französischen Paradoxon».
Ich verspreche, mich kurz zu fassen. Sie sehen hier
das Foto eines Referats, das ich 1961 veröffentlichte. Darin argumentierte ich,
dass Wein dank der darin enthaltenen «flavonischen Derivate»
das Cholesterin senkt. So nannten wir seinerzeit
Proanthocyanidine. Das Wort Proanthocyanidin wurde erst 1970 geprägt, deshalb
sprachen wir noch von flavonischen Derivaten. Ich hielt dieses Referat vor einer
internationalen medizinischen Konferenz über den Gebrauch von Wein und Weintrauben.
Im Publikum befand sich der Dekan der medizinischen Fakultät der University of
California in Los Angeles (UCLA), Milton Silvermann. Als ich fertig war, erhob
sich Herr Silvermann und sagte: «Lieber Professor, bitte
kommen Sie zu uns, und halten Sie diesen Vortrag an der UCLA, ich bin überzeugt,
dass er ein großer Erfolg wird. In heutiger Zeit, im Jahr 1961, gibt es zwei Dinge,
vor denen die Amerikaner sich am meisten fürchten: Kommunismus und Cholesterin.»
Ich beschließe diesen Vortrag, indem ich Ihnen zeige, dass das «französische
Paradoxon» schon 1961 ein integraler Bestandteil meiner Arbeit war. Ich
danke Ihnen für die Aufmerksamkeit Nahrungsergänzungen
dienen nicht als Ersatz für eine ausgeglichene Ernährung. Informationen unserer
Webseite sind keine Grundlage für gesundheitsbezogene Entscheidungen. Bei
gesundheitlichen Beschwerden fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, bei Erkrankungen
von Tieren konsultieren Sie einen Tierarzt. Die Einnahme von Nahrungsergänzungen,
Medikamenten, Heilkräutern usw. sollten Sie mit einem Arzt Ihres Vertrauens
absprechen. |